August 26, 2026

Im Gespräch mit Tobias Bührs: Unterstützte Kommunikation im Alltag und in der Praxis

Kommunikation bedeutet mehr als Sprache – Tobias Bührs erklärt, was erfolgreiche Unterstützte Kommunikation ausmacht.

Im Gespräch mit Tobias Bührs: Unterstützte Kommunikation im Alltag und in der Praxis

Tobias Bührs beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Unterstützter Kommunikation und deren Einsatz im Alltag. Als Rehabilitationspädagoge mit den Schwerpunkten Sprachheilpädagogik und Frühförderung begleitet er Fachkräfte, Einrichtungen und Familien dabei, individuelle Kommunikationslösungen erfolgreich umzusetzen. Im Interview spricht er über seinen Weg in die Unterstützte Kommunikation, die Bedeutung von Teilhabe und darüber, was erfolgreiche Kommunikation für ihn ausmacht.

Können Sie sich kurz vorstellen und erzählen, wie Sie zur Unterstützten Kommunikation (UK) gekommen sind?

Ich arbeite als Trainer im Bereich Unterstützte Kommunikation und begleite Fachkräfte, Einrichtungen und Familien dabei, Kommunikationslösungen sinnvoll im Alltag einzusetzen. Zur UK bin ich über meinen Zivildienst und das darauf absolvierte Studium gekommen, in dem auch die Unterstützte Kommunikation thematisiert wurde.

Mich hat schnell fasziniert, wie viel Potenzial in individuellen Kommunikationslösungen steckt – und wie stark sie Lebensqualität verändern können.

Was begeistert Sie besonders an Ihrer Arbeit im Bereich UK und Assistive Technologien?

Am meisten begeistert mich, dass UK echte Teilhabe ermöglicht. Es geht nicht nur darum, sprechen zu können, sondern darum, sich ausdrücken zu können – eigene Wünsche, Gefühle und Meinungen. Besonders spannend finde ich die Verbindung aus Pädagogik, Therapie und Technologie sowie die Möglichkeit, Lösungen individuell zu gestalten.

Wie können Therapeut:innen, Pädagog:innen und Familien den erfolgreichen Einsatz von UK im Alltag unterstützen?

Entscheidend ist, dass UK konsequent im Alltag stattfindet und nicht nur in Therapiesituationen. Das bedeutet:

  • Vorbild sein (Modelling)
  • Geduld haben und Zeit geben
  • Kleine, alltagsnahe Kommunikationsanlässe schaffen

Außerdem ist Zusammenarbeit wichtig. Wenn Familie, Schule und Therapie gemeinsam an denselben Zielen arbeiten, entsteht Kontinuität.

Gibt es einen Moment oder eine Erfahrung aus Ihrer Arbeit, die Sie besonders bewegt oder inspiriert hat?

Immer dann, wenn ich sehe, dass Kommunikationsgeräte genau das machen, was sie sollen: Sie eröffnen den Weg zur gesellschaftlichen Teilhabe. Sie befähigen Menschen jeden Alters, das zu tun, was sie möchten – und nicht das, was andere für sie möchten. Besonders bewegend ist es für mich, wenn ich im Alltag, auf Messen oder in Einrichtungen auf unterstützt kommunizierende Menschen treffe, bei denen der Mensch im Fokus steht und nicht die Diagnose oder das Gerät.

Welche Bedeutung haben individuelle Anpassungen bei Kommunikationshilfen?

Individuelle Anpassung ist der Schlüssel zum Erfolg. Standardlösungen funktionieren selten langfristig. Inhalte, Wortschatz und Layout müssen zur Person passen – zu ihrem Alltag, ihren Interessen sowie ihren motorischen und kognitiven Fähigkeiten. Erst dann wird aus einem Hilfsmittel ein Kommunikationsmittel.

Zum Abschluss: Was bedeutet Kommunikation persönlich für Sie?

Kommunikation bedeutet für mich Verbindung. Sie ist die Grundlage für Beziehungen, Selbstbestimmung und Teilhabe. Jeder Mensch hat das Recht, sich mitzuteilen – und genau dabei möchte ich unterstützen.

Sie möchten Unterstützte Kommunikation im Alltag noch gezielter einsetzen und vertiefen?

Entdecken Sie unser Tobii Dynavox Expertenprogramm – mit praxisnahen Schulungen, fundiertem Fachwissen und individuell anwendbaren Strategien für Therapie, Pädagogik und Beratung.

Mehr erfahren und Teil des Expertenprogramms werden.