September 10, 2026

Mit den Augen kommunizieren und den Communicator bedienen

Wie funktioniert eigentlich die Bedienung eines Augensteuerungsgeräts? Stephanie Schuchmann beschreibt aus ihrer eigenen Perspektive, wie sie den Communicator und die Augensteuerung im Alltag nutzt und warum diese Technologie für sie so wichtig ist.

Mit den Augen kommunizieren und den Communicator bedienen

Mein Weg mit der Augensteuerung

Mein Name ist Stephanie Schuchmann und ich bin 57 Jahre alt. Ich habe eine Tetraplegie. Seit meiner Kindheit mache und zeige ich alles mit meinen Augen. Beispiel: Wenn ich damals auf Toilette musste, dann schaute ich nach unten auf meinen Schoß und machte noch ein paar Zeichen. Für Essen, Trinken und andere Dinge war das genauso. Den Rest mussten die Menschen oft erraten. Natürlich habe ich auch auf Dinge mit meinen schönen Augen gezeigt. Klar, dass ich mit dem Augencomputer perfekt zurechtkomme. 

Leichtere Dinge mache ich am Augencomputer selbst, wie Farben ändern, Buttons verschieben und exportieren. Ich nehme am liebsten den Bearbeitungsmodus dazu. Im Bearbeitungsmodus habe ich eine simulierte Maus, die emulierte Maus heißt: TD-Control. Ich habe da genug Zeit zu lesen und zu schauen, wo alles ist, dann gehe ich mit dem TD-Control dahin, wo ich möchte. 

Ich lese erst seit 10 Jahren. Als nicht laut sprechendes Kind hatte ich kein Klangverständnis dafür, wie beispielsweise ein „A“ gesprochen wird. All das musste ich mir selbst aneignen. Das Büro für Leichte Sprache war dabei nur der vorletzte Schritt. Beim letzten Schritt bin ich noch heute: zu akzeptieren, dass ich lesen kann. 

In meiner Schule habe ich mich durchgemogelt. Einen Hauptschulabschluss mit der Note 2,8 habe ich gemacht. Aber ich habe auch damals schon durch Embleme alles gemacht. Seitdem ich lesen kann, gebe ich zu, es geht besser und sicherer ist es auch. 

Der Rest ist normales Windows-Wissen.

Wie der Communicator funktioniert

Der Communicator hat Seiten, diese Seiten nennt man Sets. Auf den Sets sind Buttons, hinter jedem Button sind verschiedene Funktionen. Zum Beispiel: ein A gespeichert oder ein Enter. So kann man alles bedienen, was man möchte. 

Die Sets werden wie Bücher zusammengebunden, nur unsere Sets werden auf verschiedene Buttons verknüpft. Beispiel: Enter ist immer auf einen abgeknickten Pfeil verknüpft. So braucht man als Augen-UKler nur auf den Button mit dem abgeknickten Pfeil zu gucken und schnuppdiwupp ist der Button ausgelöst und das Enter ist gedrückt. Das ist auf allen Buttons so. 

Natürlich geht das ohne Infrarote, die die Augen immer beobachten, nicht. Die Infraroten sind unter dem Bildschirm eingebaut und heißen: Eye-Track. Das Eye-Track guckt, wo die Augen hingucken, und löst das aus, worauf die Augen schauen. 

Von Stephanie Schuchmann

Hinweis: Dieser Beitrag wurde von Stephanie Schuchmann verfasst und gibt ihre persönlichen Erfahrungen mit Augensteuerung und Kommunikationstechnologie wieder.